Sonntag, 17. September 2017

10 Monate sind vergangen ...

... seit dem letzten Post.
Viel ist in der Zwischenzeit gewesen.
1. Ich habe zahlreiche Seil- und Gurttests durchgeführt, die allesamt meine Ergebnisse bestätigten. Viele Leute (Danke dafür!) haben mir Teile geschickt.
Bisher konnte ich den "Schwarzen Schwan", also den unerklärbaren Ausreißer nach unten, nicht finden: Trotz intensiver Recherche fand ich bisher kein Seil und keinen Gurt, die im gewöhnlichen Gebrauch, nur durch zeitliche Alterung, versagt hätten. Das gilt natürlich ohne Verschleiß, Scharfkanten/Zerstörung, Chemie, Schmelzen.

2. Ich habe Artikel geschrieben, Vorträge gehalten ...
 
3. Ich habe begonnen, mein Labor für "die Öffentlichkeit" zu verwenden.

Da mir das Forschen nach wie vor viel Freude bereitet und mir das Thema Nachhaltigkeit zunehmend wichtiger wird, habe ich einen Verein gegründet:

Für diese Tätigkeit habe ich auch schon ein Logo:
Zur Zeit baue ich mein Labor um:

1. Ich baue einen 20-Tonnen-Prüfstand, damit ich Stahlseile und Komponenten testen kann
2. Ich baue den Topropesimulator nach meinen Erkenntnissen um.



Montag, 28. November 2016

Arbeit abgeschlossen. Jetzt beginnt die Arbeit.

Ich habe ja einen Masterplan:

Ich möchte, dass innerhalb der nächsten 5 Jahre ein Produzent von textiler PSA in seiner Herstellererklärung keine definierte zeitliche Ablegereife hineinschreibt.

Derzeit sind das 10-15 Jahre, auch wenn das Zeug nicht verwendet wird.
Deswegen werden teilweise original verpackte Ausrüstungen geschreddert.

 Nach Abschluss meiner Arbeit bin ich überzeugt, dass das auch anders geht.

Zum Beispiel: Es bleiben die 10 Jahre als zeitliches Ablaufdatum mit dem Zusatz, dass es sich verlängert, wenn nichts dagegen spricht.

Ich bin gespannt, ob das gelingt.

Es wäre ein Beitrag, dass wir unseren Planeten nicht unnötig zerstören.


Samstag, 22. Oktober 2016

Arbeit abgeschlossen.

http://www.siebert.at/de/publikationen/66/Masterarbeit-zur-Ablegereife-von-PSA

Die Masterarbeit ist abgeschlossen. Es war ein doch sehr langes und aufwändiges Projekt, das ohne die Mithilfe vieler Leute nicht möglich gewesen wäre.
Ich möchte mich bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern herzlich bedanken.


Hier sind die wichtigsten Ergebnisse:



Ergebnis 1: Das Alter ist kein Ablegekriterium


Nach dem derzeitigen Stand der Forschung gibt es keinen Hinweis darauf, dass  das Alter eine gefährdende Wirkung hat.

Ergebnis 2: Bandschlingensind unzuverlässig:
Schlingen sind empfindlich gegen UV sowie gegen Scheuern und zyklische Belastung. Schlingen (Bergsteigernorm) sollten nicht mehr bzw. nur redundant (am besten mit Schlingen aus Kernmantelseil) verwendet werden.
Vor allem, wenn sie draußen hängen, können sie bei Topropebelastung versagen, ohne dass die Schwächung erkennbar wäre.

Ergebnis 3: oftmalige Topropebelastung schädigt den Seilkern und schwächt das Seil.
Topropeseile sollten daher nur zum Topropen verwendet werden.


Ergebnis 4: Für die Schädigung durch harten Sturz konnte kein Hinweis gefunden werden. 
Wenn keine sichtbaren Schäden auftreten, kann man Seile, Gurte und Schlingen auch nach einem harten Sturz weiter verwenden.


Ergebnis 5Folgende Ablegekriterien wurden bestätigt:
  • Bestimmte Chemikalien sind gefährdend.Wenn das Gewebe insbesondere mit Batteriesäure (Schwefelsäure) in Kontakt kommt, sinkt die Bruchlast dramatisch. 
  • Temperaturen über 120 Grad sind gefährdend. Vor allem wenn ein Seilüber ein stehendes Seil läuft schmilzt das stehende Seil durch.

Für Seile gilt zusätzlich:
  • Wenn der Seilkern sichtbar ist bzw. wenn man dünnere Stellen ertastet (Seilkeren möglicherweise gerissen), sollte das Seil abgelegt werden.


Für Gurte gilt zusätzlich:
  • Wenn das Gurtband beschädigt ist, die Nähte durchgescheuert sind, muss das Teil abgelegt werden.



Freitag, 1. Januar 2016

Der Schädigung von Topropeseilen auf der Spur

Deile (auch Seile genannt) werden heiß, wenn man sie im Toprope pausenlos belastet. (Beim Klettern gibt es naturgemäß ausreichend Pausen, das Seil wird nicht heiß).
In meinem Simulator wird ein halber Meter Seil pausenlos hin- und herbewegt.
Durch einen wassergekühlten Karabiner schütze ich das  Seil vor dem Durchschmelzen.
Wieso wird das Seil heiß? Ist es die innere Reibung oder die Reibung zwischen Umlenkung und Seil?
Um das herauszufinden habe ich Karabiner mit Rollen gekauft.
Trotz Rolle: Starke Erhitzung - innerhalb von 30-50 Zyklen auf 100 Grad. Innen und außen.
Das kann nur durch den Karabiner (Wälzlager) erfolgen, wenn das Seil die Wärme überhaupt leitet.
Das habe ich auf einer Herdplatte ausprobiert.
Es leitet nicht.
Daher: Nur die innere Reibung erhitzt das Seil.
Cool.

Hier ist der Link zum Video:


Freitag, 6. März 2015

Erste Toprope-Simulationen

Der wassergekühlte Karabiner ist erfunden, die ersten Ergebnisse sind da. Seile wurden mit 1000 Zyklen und 50 kg belastet.
video
(oder auf youtube: https://www.youtube.com/watch?v=qigTpVrsjc4)

Die Temperatur stieg nicht über90 Grad, wobei es bemerkenswert ist, dass die Temperatur an der Außenseite höher ist als an der Innenseite.
Die Bruchfestigkeit von 2 Proben lag ca. 20% unter dem Referenzseil (unbenutzt).


Ohne Kühlung spielt sich folgendes ab:
Ein Seil ist über einen Stahlkarabiner geführt, eines über einen Alu-Karabiner.
Die Temperaturverläufe sind wie folgt:


Der Alu-Karabiner (rote Linie) erwärmt das Seil deutlich mehr, um ca. 20 Grad mehr. Bei 700 Zyklen war der Mantel sichtbar beschädigt, innerhalb von 20 Zyklich riss er komplett. Der temperaturabfall ist deutlich sichtbar. Das Seil bewegte sich nur mehr auf den Litzen.


Die Temperatur sank auf unter 110 Grad, es konnte in weiterer Folge kaum mehr eine Veränderung festgestellt werden.
Das Seil im Stahlkarabiner bleb unversehrt.
video

Im Vergleich dazu belastete ich ein Seil ohne Biegewechsel, "gerade:
Alle 1-2 Sekunden ein Lastwechsel, zuerst mit 1000 kg, die Temperatursteigt von 28 Grad auf ca. 48.


bei 1.500 kg Belastung das gleiche Bild, es steigt auf 54 Grad. Bei Erhöhung der Belastung auf 2000 kg steigt die Temperatur auf über 60 Grad, bei 320 Zyklen mit 20 kN erfolgte der Riss.


Jedenfalls bleibt die Temperatur immer unter Grenze der Gebrauchstemperatur von Polyamid.



Sonntag, 22. Februar 2015

Der Toprope-Simulator

Die bisherigen Erkenntnisse lassen vermuten, dass die einzige gebrauchsbedingte Schwächung von Seilen durch permanente Lastbiegewechsel verursacht wird. Typisches Beispiel sind fix installierte Topropeseile in Kletterhallen.
Ich habe nun einen Toprope-Simulator gebaut:
Ein Drehstrommotor mit Exzenter:
video
Das große Problem: Nach wenigen Zyklen wird der Umlenkkarabiner brennheiß, nach 1000 Zyklen schmilzt das Seil:

Um mehrere tausend Zyklen realitätsnahe - und mit vernünftigem Zeitaufwand - durchführen zu können muss eine Lösung her - ein wassergekühlter Umlenker. Der erste Test war erfolgreich:
video
Nun muss nur noch ein entsprechend gebogenes stabiles Rohrstück besorgt werden, dann ist der Toprope-Simulator einsatzbereit.

Mittwoch, 14. Januar 2015

Ein sensationelles Seil

Das Schicksal meint es gut mit mir. Als ich auf der Alpinesse in Innsbruck meine Zerreißmaschine demonstrierte, kam ein Herr auf mich zu, ob ich an alten Seilen interessiert sei.
Natürlich!
Der Herr enpuppte sich als Sigi Hofmann, ein verdientes Mitglied der Naturfreunde, der für Fritz Moravec auf der Hochgebirgsschule Kaprun gearbeitet hatte.
Nach den Kursen ging er oft am Gletscher am Fuße der berühmten Wiesbachhorn Nordwand spazieren und fand dort allerlei Gegenstände, die den Leuten aus der Wand fallen.
Am 14. Juli 2003, es war ein heißer Sommer, wo zahlreiche Gletscher dahinschmolzen, fand er die Leiche einer seit 1956 verschollenen Alpinistin.
Daneben fand er ein zusammengerolltes, scheinbar unbenutztes Seil. Es könnte so eines gewesen sein:



 

Was für ein Schatz! Ein neuwertiges, quasi im Kühlschrank konserviertes Seil, mindestens 59 Jahre alt, und (wahrscheinlich nahezu) unbenutzt.

Siegi brachte mir 2 Meter mit, die ich testen durfte.


Zuerst testete ich in der Standardvariante, Seilschloss auf der einen Seite, Bulin auf der anderen.
 Siegi schaute kritisch zu ...



 Das Seil riss im Knoten bei 520 kg (5,2 kN). Damit ist es in der Kategorie wie stark benutzte einjährige Hallenseile.
Danach blieb noch genügend Material für zwei Achterknoten:

Das Seil dehnte sich so stark, dass ich zwei Mal belasten musste:
Dann riss es im Achterknoten. Mit 680 kg (6,8 kN) ist das Seil stärker als so manches Hallenseil, das ich testete.

Da die Dehnung auch ausreichend ist, steht einer Verwendung als Kletterseil nichts mehr im Wege.


Interessant ist auch der Vergleich mit Werten von damals:
Den Durchmesser konnte ich nicht bestimmen, er streut zu stark. Es dürfte ein 10 mm Seil gewesen sein. Das sollte 1.800 kg halten, also im Knoten ca. die Hälfte, 900 kg. Das bedeutet ein Verlust an Reißfestigkeit von weniger als 50 Prozent.
Ich gratuliere den Ingenieuren.
Wahrscheinlich werden sich jetzt viele Kletterer Tiefkühlfächer zulegen, um ihre Seile drinnen zu lagern ...
video


Im Gedenken an die Geschwister Maag, Elisabeth (26 Jahre) und Trude (32 Jahre) aus Württemberg, abgestürzt am 12. September 1956 auf dem Weg zum Wiesbachhorn.
R.I.P.